Abschiedsworte Pfarrer Sapper

Liebe Gemeindeglieder,

mit einem Gruß aus 19 Metern Höhe und einigen Worten aus der Predigt, die ich bei meinem Verabschiedungsgottesdienst in der Christuskirche gehalten habe, möchte ich mich von Ihnen verabschieden:

13 Jahre lang habe ich die gute Botschaft des Evangeliums verkündigt und versucht, Ihr Herz für diese Botschaft zu gewinnen, etwas vom Glauben weiterzugeben, der uns anvertraut ist. Im Glauben werde ich gefragt, was mir meine eigene abgesicherte Existenz bedeutet. Ich werde dies gefragt, unabhängig davon, ob ich von einer bescheidenen Rente lebe oder ein hohes Einkommen habe, ob ich unscheinbar unter anderen lebe oder eine geachtete Position einnehme. Ich werde gefragt: Wie ist es mit meinem Vertrauen, dass Gott mich hält und führt? Vertraue ich wirklich darauf oder doch lieber auf die Versicherungen, die ich abgeschlossen habe, um mein Leben in sichere Bahnen zu lenken? 

Ich hoffe, Sie haben mir als Pfarrer abgespürt, dass ich aus kindlichem Vertrauen gelebt habe.
Das ist es, was ich meinen Konfis im Hochseilgarten immer deutlich machen wollte: Dass das Seil einen beim Abseilen hält, das ist vom Kopf her klar, aber im Herzen darauf zu vertrauen, dass dem wirklich so ist, und sich mutig abseilen, ist eine andere Sache. Mit dem Kopf glauben ist das eine, wie ein kleines Kind in allen Lebenslagen auf Gott vertrauen, ist das andere. 
„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht hineinkommen“, hat Jesus einmal auf die Frage nach dem Eingang ins Himmelreich geantwortet. In diesem Sinn wünsche ich Ihnen, immer ein Kind zu bleiben, das aus dem Vertrauen zum himmlischen Vater lebt.

„So manches Mal bin ich von Besuchen bereichert nach Hause gekommen, weil ich jemandem begegnet bin, von dem ich gespürt habe: Das ist ein Mensch, der in seinem Leben viel erlebt und mitgemacht hat, das ist jemand, der bescheiden und zufrieden geblieben ist, jemand, der bei aller Unvollkommenheit sein Leben annimmt, so wie es ist. Da ist jemand, der sein Leben so annehmen kann, weil er es als Geschenk aus Gottes Hand empfängt.“

Aus diesem Blickwinkel bekommt jede Kleinigkeit, jedes Erlebnis, jede Begegnung ihren eigenen, ich würde sagen, unendlichen Wert, wenn jede Kleinigkeit, jedes Erlebnis, jede Begegnung als Geschenk Gottes empfangen wird, das Dankbarkeit hervorruft.
Dafür, dass sich im Leben unserer Gemeinde immer wieder Kleinigkeiten, Erlebnisse und Begegnungen ereignet haben, in denen Gottes Herrschaft in dieser Welt durch uns Menschen Gestalt gewinnt, bin ich dankbar.
Dafür, dass wir miteinander im Glauben unterwegs waren, im übertragenen Sinn im Bibelgesprächskreis oder beim Gottesdienst, im wörtlichen Sinn, wenn wir beim Pilgern auf dem Lutherweg in ganz verschiedenen Kirchen Andacht gefeiert haben. 
So möchte ich schließen mit dem Wunsch, dass wir alle weiterhin im Glauben unterwegs bleiben – im wörtlichen oder im übertragenen Sinn. 

Ihr Pfarrer 

Sieghard Sapper